Muzungu

Vom 26.11. bis zum 02.12. hatte ich die Möglichkeit gemeinsam mit Viva con Agua (VcA) und der Welthungerhilfe (WHH) nach Ruanda zu reisen, um die dort finanzierten Projekte von Viva con Agua zu besuchen. Unsere kleine Reisegruppe bestand aus Anke (WHH), Arne (Vorstand VcA), Matthias (VcA München) und mir (VcA Hamburg).

Reisegruppe Ruanda

v. l. Anke, Matthias, Timo, Arne

An unserem ersten Tag haben wir das Genocide Memorial Center besucht, welches an den Genozid in Ruanda von 1994 erinnert. Die damaligen Ereignisse werden hier ungeschönt beschrieben und durch die Darstellung vieler persönlicher Schicksale lässt diese Ausstellung keinen unberührt.

In den darauffolgenden Tagen waren wir in der Südprovinz unterwegs. Unser erstes Ziel war das Base-Kirjango Tal, wo bereits vor 3 Jahren mehr als 30 Quelleinfassungen gebaut wurden.

Bei Quelleinfassungen wird eine bestehende Quelle am Berg freigelegt und der Quellort so gesichert, dass das Wasser nicht durch Bodenerosionen oder andere Umstände verunreinigt werden kann. Über ein unterirdisch verlegtes Rohr wird das austretende Quellwasser einige Meter weiter zu einer Entnahmestelle geleitet. Die Entnahmestelle ist so angelegt, dass nicht genutztes Quellwasser in die Bewässerungsgräben für die Felder abfließen kann. So wird verhindert, dass sich stehendes Wasser im Bereich der Quelle sammelt, welches Auslöser für Krankheiten sein kann.

Quelleinfassung

Auf dem Weg zu unserer ersten Quelle wurde uns bewusst, wie außergewöhnlich es scheinbar ist, dass ein hellhäutiger Europäer in diese Gegend kommt. Von den Kindern, die am Wegesrand vor den Häusern spielten wurden wir mit lauten “Muzungu! Muzungu!” Rufen empfangen. Was laut unserem Fahrer soviel wie “Weißer” oder “Bleichgesicht” heißt. Bereits auf der Fahrt aus der Hauptstadt hinaus auf das Land wurde uns des öfteren zur freundlichen Begrüßung zugewunken. Es war schön, so viele lebensfrohe Menschen zu sehen, selbst wenn wir schnell einen lahmen Arm vom Zurückwinken bekommen sollten.

Endlich an unserer ersten Quelle angekommen war es besonders erfreulich für uns von den Nutzern der Quelle zu hören, dass sich deren Lebensqualität durch den Bau der Quelleinfassungen verbessert hat. Zum einen ist die Quelle das ganze Jahr über nutzbar und weil nicht mehr das Oberflächenwasser abgeschöpft wird, ist die Anzahl von Erkrankungen zurückgegangen.

Eine Quelle stellt Wasser für ca. 80–200 Personen zur Verfügung. Geholt wird das Wasser ca. 3x am Tag in 5–20 Liter Kanister. Je nachdem wer aus der Familie mit dem Wasserholen beauftragt wurde. Die Laufzeit zwischen Haus und Quelle liegt zwischen 10 und 30 Minuten. Kein Zuckerschlecken, wie ich in einem Selbstexperiment mit einem 10 Liter Kanister erfahren konnte, den ich einem Jungen abgenommen habe.

Wasser holen

Neben den Quellen im Base-Kirjango Tal besuchten wir noch gerade im Bau befindliche bzw. ein bis zwei Wochen zuvor freigegebene Quellen im Mwogo Tal. Der Bau der Quelleinfassungen wird von einer lokalen Firma unter Mithilfe der Nutzer der Quelle ausgeführt. Es war insgesamt sehr interessant zu sehen, wie die Quellen mit den anderen Projekten der Welthungerhilfe in den Tälern ineinandergreifen. Ehemaliges Sumpfgebiet wird für Reisfelder kultiviert. Das Wasser der Quellen fließt in die Bewässungssystem der Reisfelder und in kleine Stauseen, die auch in Trockenzeiten eine Bewässerung möglich machen. Eine Reismühle wurde vor kurzem eröffnet, in der der Reis der Bauern weiterverarbeitet wird und letztendlich als Nahrungsmittel für die Bevölkerung zur Verfügung steht.

Mwogo Tal

Ebenfalls auf der Agenda standen Besuche beim Vizebürgermeister des Districts Ruhango, des Vizegouverneurs der Südprovinz, dem Leiter der Wasserwerke und einem Berater des Infrastrukturministers. Alle mit dem Ziel Trinkwasser für jeden Haushalt zur Verfügung zu stellen.

Für mich eine sehr gelungene Reise, auf der ich das Gut Wasser noch einmal mehr schätzen lernen konnte und Motivation weiterhin für sauberes Trinkwasser aktiv zu sein.

P.S. blau.de unterstützt übrigens das Tramprennen. Trampen für sauberes Trinkwasser.

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